Andacht Sommer 2018

Engel im Urlaub

Wenige Tage vor Urlaubsbeginn erinnere ich mich an eine Reise nach Wales vor einigen Jahren. Es waren schöne Sommertage. Übers Internet hatten wir uns in einem B&B, einer typisch britischen Frühstückspension, einquartiert. Wir genossen das schmackhafte Frühstück, erfreuten uns an den walisischen Schafen und erkundeten die uns unbekannte Gegend. Am Sonntagmorgen gingen wir in dem kleinen Ort, in dem wir wohnten, zum Gottesdienst. In der kleinen, aber lebendigen Gemeinde fielen zwei Touristen, die schon für die anschließende Wanderung gerüstet waren, gleich auf. Wir wurden freundlich begrüßt, feierten miteinander Gottesdienst und tranken im Anschluss noch die typische Tasse Tee. Soweit war alles ganz normal. Dann geschah etwas, das mich auch heute noch beeindruckt: ein walisisches Ehepaar kam auf uns zu und lud uns zum Mittagessen ein. Sie hätten genug, würden auch noch ihren Nachbarn dazu bitten und würden sich freuen, nach dem Gottesdienst noch ein wenig mit uns zu sprechen. Obwohl wir sehr überrascht waren, sagten wir spontan zu und folgten ihnen auf ihre Schaffarm. Bei einem leckeren landestypischen Essen mit Braten und Minzsoße unterhielten wir uns über Deutschland und Wales, über die Schweinegrippe, über Kirche und Glauben hier und dort, über Gott und die Welt. Nach zwei Stunden, die mit einer weiteren Tasse Tee endeten, verabschiedeten wir uns voneinander. Wir kannten nur unsere Vornamen, haben keine Adressen ausgetauscht, sind keine Verpflichtungen eingegangen – und haben doch ein wunderbares Erlebnis gehabt. Ja, wir haben Gottes Segen gespürt in dieser Begegnung. Offene Herzen und offene Türen für zwei fremde deutsche Touristen, nein, für zwei Mitchristinnen aus einem anderen Land. Da war die Liebe Gottes greifbar und spürbar geworden.

Hatten unsere walisischen Gastgeber etwa Hebräer 13,2 im Sinn, als sie uns einluden?

Gastfrei zu sein, vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.

Ob daheim oder in der Ferne: Ich wünsche Ihnen einen Sommer mit guten Begegnungen.

 

Pfarrerin Alexandra Hans