Andacht Pfingsten 2018

 

1. Wann waren Sie das letzte Mal im Ausland? Haben mit oder ohne Visum und Reisepass eine Grenze überschritten?

Schon länger her? Im Laufe des letzten Jahres?

Andere Frage: Wann haben Sie zuletzt etwas getan, was Sie eigentlich nie tun? Mal etwas Neues ausprobiert?

Dritte Frage: Wann haben Sie das letzte Mal jemanden um Verzeihung gebeten, auch wenn Ihnen das schwer gefallen ist? Wann haben Sie mit dem Nachbarn gesprochen, der sich schon lange so komisch verhält?

Verschiedene Fragen, die irgendwie alle mit dem Pfingstfest zu tun haben.

Denn zu Pfingsten geht es darum, dass Grenzen überschritten wurden und werden.

Fangen wir mal ganz am Anfang an: zu Pfingsten in Jerusalem. Da bricht etwas auf, dass die Welt verändert: Männer, die eher zupacken können, wie der Fischer Petrus aus Galiläa, tun sich als Redner und Prediger hervor. Und sie reden so überzeugend, dass

1. alle Zuhörer alles verstehen, ganz egal, woher sie kommen, und

2. viele dieser Zuhörer angesteckt werden von der Begeisterung von Petrus und den Aposteln, dass sie gleich dazugehören wollen.

Was war geschehen?

Der Heilige Geist, Gottes heiliger Geist, hatte die Jünger Jesu ergriffen und ein Wunder möglich gemacht:

Das Wunder des Glaubens, des Vertrauens in Gott, in die Botschaft von Jesus Christus, von der Liebe und Gnade Gottes, die allen Menschen gilt, die nicht beschränkt bleibt auf Israel, sondern für alle offen ist, alle einlädt, damals und bis heute.

Jesus, der Sohn Gottes war gegangen, doch Gott war geblieben und hatte seine Kraft auf alle ausgegossen – und tut es bis heute.

Grenzüberschreitung wird erlebbar in der Person des Pfingstpredigers aus Apostelgeschichte 2:

Von Anfang an hatte Simon Petrus durch die Begegnung mit Jesus Veränderung erfahren. Er hatte seinen Beruf und seine Familie aufgegeben, hatte den See Genezareth und später auch Galiläa verlassen, hatte sich dem Wanderprediger Jesus von Nazareth angeschlossen. Er hörte und erlebte Gottes Nähe, die nicht nur ihm galt, sondern vielen, die wie er nicht zu den Privilegierten seiner Zeit gehörten. Er erlebte Zuwendung zu Kranken, Sündern, Frauen, Fremden.

Er erlebte Mut und Feigheit, Triumph und Niederlage.

Er folgte Jesus und ließ ihn im Stich, wurde gelobt und beschimpft.

Er bekannte und verleugnete.

Er nahm das Schwert, glaubte den Worten der Frauen am Ostermorgen zunächst nicht und wurde schließlich der erste Prediger zu Schawuoth – dem Pfingstfest.

Er hatte am eigenen Leib Berufung und Vergebung erfahren – und dass man als Mensch manchmal mehr kann, als einem in die Wiege gelegt ist. Der Heilige Geist, Gott selbst durch seinen Geist macht es möglich:

Petrus: der einfache Fischer, aus dem ein Verkündiger, ein Gemeindeführer wird,

der Mutlose, der zu einem mutigen Glaubenszeugen wird.

Er wird nach Pfingsten manche Grenze überschreiten; er wird auch mit sich und seiner Begrenztheit ringen, und er wird immer wieder, von Gottes Geist ergriffen, Neues wagen.

Es ist eine aufregende Entwicklung, die Apostelgeschichte erzählt uns, wie sein Bild von Gott weiter wird.

Immer mehr begreift er, was es mit der Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes auf sich hat; dass Gott sich nicht nur den Juden zuwendet, sondern durch Jesus Christus auch sog. Heiden – also Menschen aus den anderen Völkern – dazugehören können, in allen Ländern der Erde:

Am Ende kommt Petrus bis nach Rom, ins Zentrum der damaligen Weltmacht.

Er hat damit Maßstäbe gesetzt, die auch für uns heute noch gelten: Grenzen zu überschreiten.

In der Beziehung zwischen Menschen in Deutschland und Menschen in Tansania, zwischen Christen verschiedener Konfessionen und Nicht-Christen, zwischen Männern und Frauen.

Der Heilige Geist bewegt auch heute noch Menschen, sich etwas zu trauen, neuen Menschen zu begegnen, sich einzusetzen für die, die Unterstützung brauchen und mit unterschiedlichen Wurzeln gemeinsam in die Zukunft zu gehen.

Frohe Pfingsten 2018 wünscht Alexandra Hans vom MMH-Vorstand.