Andacht Dezember 2018

Sie haben seinen Stern gesehen

(Mt 2,3)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Jörg Kerner

Andacht: Pfr.Volker Böhm

 

So lesen wir es im Matthäusevangelium. Ein Stern, der leuchtet, der den Weg weist. In diesem Fall den drei Weisen aus dem Morgenland.

Lange ist es her, dass Jesus auf der Erde war; leiblich, mit Worten und Taten. Die drei haben sich damals aufgemacht. Nach Bethlehem. Über 2000 Jahre ist das jetzt her. Und in 2000 Jahren kann man schon mal jemanden vergessen. Bei Jesus ist das nicht so. Das ist doch erstaunlich, oder? Dieser eher schlichte Mensch bleibt im Gedächtnis der Welt. An ihm ist also etwas, was Menschen bewegt. Woran könnte liegen, dass Jesus so sehr im Gedächtnis bleibt? Vielleicht an einem Satz wie diesem, den Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12) Auch dieser Satz hat etwas mit einem Leuchten zu tun. Und hier geht es wirklich um Glanz und nicht bloß um das Glitzern, wie es zur Zeit vielleicht in unseren Städten und Zimmern stattfindet. Auch schön, klar, aber: äußerlich. Es geht um Glanz von innen. Um ein Strahlen, das nicht blendet, sondern erleuchtet – im guten Sinne des Wortes. Ich denke dabei an Menschen, die nicht mit immer zusammengebissenen Zähnen durchs Leben gehen, sondern anmutig. Sie erleuchten mich. Sie geben mir ein wenig Halt. Eine Schwester im Krankenhaus in der Eifel kann das sein, ein Verkäufer mitten im Trubel auf dem Markt in Kigoma, ein fürsorglicher Nachbar. Ein schwarzer Mensch oder ein weißer. Und ich glaube, jede und jeder von uns kennt solche Menschen. Die nicht einfach liebenswürdig sind (auch die sind wichtig, natürlich), sondern solche, deren Liebenswürdigkeit einen Grund hat: die um Gottes Nähe wissen.

Gott ist nahe, wo einer den anderen erkennt. Nicht nur einfach ansieht, sondern erkennt, wahrnimmt. Ich sehe dann nicht nur die Oberfläche, sondern ein wenig vom Herz. Ist es wirklich so fröhlich, wie es aussieht – oder doch auch ziemlich verzagt? Ist die Seele tatsächlich so munter, wie sie tut, oder auch beschwert? Erkennen ist ein Tief-blicken; ist ein sich von keiner Oberfläche Einnehmen-lassen, sondern länger zuhören und länger hinschauen.

Solche Menschen haben Glanz von innen. Und haben etwas in sich vom Licht der Welt, das Jesus verspricht. Es gibt so viel Finsternis in Menschen. Das wissen wir. Und doch können wir selbst unseren Nächsten in den kommenden Wochen ein wenig vom Licht des Heilands sein – mit unserem Glanz von innen.

 

Denn Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt. Und es leuchtet. Bis hinein in den Advent 2018. Sein wirkliches Licht. Trotz und neben all der grellen Lichter um uns herum, die seinen Namen vereinnahmen. Es leuchtet auch in uns, wenn wir es zulassen. Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir das spüren. Glauben. Und weitergeben: Denen, die uns begegnen. Heute, morgen und alle Tage. Dass uns das gelinge, dazu helfe uns Gott. Amen.